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Vergangene Anlässe

Auf die unvergessliche 50-Jahr-Feier des IVV am 8. September 2017 im Zwicky-Areal in Fällanden, folgte wiederum ein abwechslungsreiches Jahresprogramm 2018 mit spannenden Gastgeber-Lunches bei Vereinsmitgliedern wie auch Vorträgen im Rahmen von Business-Lunches, wo uns auch ein Weltmeister besuchte.

Letztes Jahr konnten wir ebenfalls wieder die beliebte Sommer-Schifffahrt auf dem Greifensee durchführen – wie immer bei einwandfreiem Wetter.

Business-Lunch mit den Gemeindepräsidenten

01. Dezember 17

Bestehende Firmen fördern, statt neue anzulocken

Industrieverein. Am traditionellen Dezember-Businesslunch mit den Gemeindepräsidenten im „Wallberg“ äusserten Letztere ihre Gedanken und Ideen wie Gemeinden und Wirtschaft besser miteinander in den Dialog treten können. Einig waren sich die drei Gäste darin, dass bezüglich Zusammenarbeit und Kommunikation noch Verbesserungspotenzial besteht.

Gastgeber Gery Colombo (rechts) mit den Gemeindepräsidenten Jean-Philippe Pinto, Monika Keller und Thomas Weber

Der IVV-Präsident und Gastgeber Gery Colombo machte heute Freitagmittag keinen Hehl daraus, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Behörden auf lokaler Ebene zwar gut sei, aber durchaus noch besser sein könnte. Colombo bezog sich in seinen Ausführungen auf eine Schlussfolgerung der Wirtschaftskonferenz Zürcher Oberland, wonach die Pflege bereits ansässiger Unternehmen die beste Wirtschaftsförderung sei. „Es ist wichtig, den Unternehmer zufrieden zu stellen, damit er dem Standort treu bleibt.“ Dadurch könne mit weniger mehr erreicht werden, als wenn man mit grossem Aufwand versuche, neue Industrien anzulocken. In diesem Sinn plazierte der Chef eines internationalen Medizintechnikunternehmens den Appell, das gegenseitige Kennenlernen und den partnerschaftlichen Umgang zwischen Gewerbe, Industrie sowie Verwaltung, Behörden und Politik zu fördern: „Der erste Kontakt zur Gemeinde soll nicht erst dann erfolgen, wenn es um die Einreichung eines Baugesuches geht.“

Gipfeltreffen geplant
Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) beteuerte, dass für den Gemeinderat die Pflege von ansässigen Firmen an erster Stelle steht. Demnach soll im nächsten Jahr ein erstes Gipfeltreffen zwischen ihm sowie den Präsidenten des Gewerbe- und Industrievereins stattfinden. Zudem werde auch die Gewerbeausstellung von Ende Oktober eine geeignete Plattform bieten, um den Kontakt zwischen den verschiedenen Akteuren zu festigen. Betreffend Bau- und Zonenordnung sei es wichtig, dass die Gemeinde wisse, was die Firmen wollen. Weiter unterliess es Pinto nicht, Volketswil als „hervorragender Standort“ für Gewerbe und Industrie anzupreisen. Als Stärke der Gemeinde hob Pinto die „effiziente und insgesamt positiv denkende“ Verwaltung hervor. Persönlich wünscht er sich ein vermehrtes Engagement von Wirtschaftsvertretern in der Politik. Er verstehe aber nur zu gut, dass es kein einfaches Unterfangen sei, gleichzeitig in Politik und Wirtschaft tätig zu sein.

Leerstände bereiten Sorgen
Konkrete Sorgen bereiten dem neuen Gemeindepräsidenten ganz aktuell die zahlreichen Gewerbe- und Büroleerstände entlang der Industriestrasse. Hierzu erwartet Pinto Lösungsvorschläge aus Gewerbe- und Industriekreisen. Sein Schwerzenbacher Amtskollege Thomas Weber schlug an die Adresse der Immobilienbesitzer vor, die Mietpreise – zumindest vorübergehend – zu senken, um die Flächen wieder zu beleben.

Win-Win-Situation
Greifensees Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) brach eine Lanze für eine breit gefächerte Kommunikation, wenn es um neue Firmenprojekte in der eigenen Gemeinde geht. Aus einem Misserfolg habe sie die Lehre gezogen, dass es für die Realisierenden wichtig sei, bei solchen Vorhaben den Kontakt zur Politik und zu anderen politischen Lagern frühzeitig zu suchen. Im Weiteren legte sie dar, dass das Wachstumspotenzial für Gewerbe und Industrie in Greifensee beschränkt sei, denn mittlerweile seien 97 Prozent der dafür vorgesehen Flächen bereits überbaut. Nicht zuletzt unterstrich sie die Wichtigkeit von juristischen Personen für den Finanzhaushalt. Mit einem Steueraufkommen von rund 30 Prozent würden sie dazu beitragen, dass der Steuerfuss tief gehalten werden könne. Um zu spüren, wo der Schuh drückt, habe Greifensee die Mitglieder des Gewerbevereins in diesem Jahr erstmals zu einem Apéro eingeladen, wo Themen wie zum Beispiel Auftragsvergaben auf informeller Ebene diskutiert werden konnten. Eine Win-Win-Situation, die sie zur Nachahme empfehle, schloss Keller ihr Referat.

3000 Stellen versus 5100 Einwohner
Auch für Schwerzenbach – einen „industriemässig kleinen Player“ – sei die Bedeutung der juristischen Personen beachtlich, schob Thomas Weber nach. 5100 Einwohnern stünden immerhin 3000 Arbeitsplätze gegenüber. Es bestehe jedoch das Problem, dass zwei der vier Industriegebiete am falschen Ort lägen, weil sie heute nach wie vor verkehrsmässig ungünstig erschlossen seien. Für Weber ist klar: „Wenn man die Industrie fördern will, muss man bei der Zonenplanung flexibel sein.“ Die Realität sehe aber heute noch so aus, dass wenn sich einmal ein Industriebetrieb von einem Standort verabschiedet habe, meist kein Nachfolgebetrieb zuziehe, sondern Wohnraum entstehe.

Viertgrösste Gemeinde im Kanton
Mit Blick in die Zukunft machte Jean-Philippe Pinto zum Abschluss beliebt, sich Gedanken darüber zu machen, welche Synergien ein allfälliger Zusammenschluss der drei Gemeinden Volketswil, Schwerzenbach und Greifensee mit sich bringen würde. Notabene, ein Zusammenschluss von drei starken Gemeinden, präzisierte Pinto. Die Wirtschaftsförderung des Kantons Zürich fokussiere sich derzeit auf die grossen Ortschaften wie Dübendorf und Uster. Bei einer Fusion bekämen die drei Gemeinden, die dazwischenliegen, plötzlich ein ganz anderes Gewicht und könnten sich ganz anders positionieren. „Gemeinsam könnten wir aus der Stärke heraus handeln, gewisse Risiken abfedern, Synergien wahren und wären dann die viert- oder fünftgrösste Gemeinde in diesem Kanton.“

Bericht: Toni Spitale